7. Netzwerktreffen Ernährung für ExpertInnen/Expertenorganisationen

Am 07. Juni 2018 fand das 7. Netzwerktreffen für ExpertInnen bzw. für Organisationen, die sich auf verschiedenste Art und Weise mit dem Thema Essen und Trinken in der Steiermark beschäftigen, in den Räumlichkeiten des Gesundheitsfonds Steiermark statt.
Zu Beginn der Netzwerkveranstaltung wurde von Mag. Martina Karla Steiner (Gesundheitsfonds Steiermark) kurz der Hintergrund der Netzwerktreffen erläutert, danach wurde das Wort an die erste Referentin übergeben.
Mag. Anna Krulis (Verein Land schafft Leben) präsentierte die Tätigkeiten des Vereins Land schafft Leben.
Der Verein Land schafft Leben ist österreichischen Lebensmitteln auf der Spur und informiert Konsumentinnen und Konsumenten darüber, wie in Österreich Lebensmittel produziert werden.  Für den unpolitischen und unabhängigen Verein Land schafft Leben ist es dabei besonders wichtig ohne Wertung die Geschichte der in Österreich produzierten Lebensmittel zu erzählen. Das Team von Land schafft Leben macht sich dafür ein Bild vor Ort, besucht Bauern, Verarbeiter, Händler sowie Konsumenten, führt Interviews durch und dokumentiert Emotionen, Prozesse und Gespräche.
In Form von Videos werden die gewonnenen Einblicke über die Website zugänglich gemacht.  Die Recherche und Produktion zu einem Video dauert dabei im Durchschnitt 1 Jahr.
Im Blog der Website wird auch kritischer berichtet.
Die Finanzierung des Vereins erfolgt durch Förderer, die je nach Unternehmensgröße einen Förderbeitrag leisten. Die Förderer sind auf der Website dargestellt. Der Verein wird von einem Weisen-Rat beraten.

Die wichtigsten Erkenntnisse bzw. Wichtiges aus der Diskussion für NetzwerkerInnen:
  • Die von Land schafft Leben erstellen Videos und Informationen (verfügbar sind bereits Informationen über Karotte, Kren, Salat, Tomate, Zwiebel, Huhn, Pute, Schwein, Apfel, Ei Butter, Milch, Zucker) können auch zu Schulungszwecken eingesetzt werden, sie sind alle auf der Website verfügbar. Gibt es einen Mehrbedarf/Speicherbedarf kann direkt beim Verein angefragt werden.
  • In Herbst werden mehrere Video-Episoden zum Thema Gemeinschaftsverpflegung veröffentlicht werden.
  • Die Wahrung der Unabhängigkeit ist ein wichtiges Thema – insbesondere auch in Hinblick auf die offiziellen Förderer.

Mehr zum Verein finden Sie in der dementsprechenden Präsentation, welche am Ende dieses Berichtes zum Download bereitsteht, oder auf: www.landschafftleben.at.


Im Anschluss an diese interessante Diskussion stellte Barbara Walcher, BSc, MSc (LKH-Univ.Klinikum Graz) das Projekt „Gesund-Regional-Saisonal" vor.
 
Das Universitätsklinikum startete mit der Umsetzung des Projektes zur Optimierung der Gemeinschaftsverpflegung mit regionalem, saisonalem Schwerpunkt im Juli 2017. Ca. 3600 Essen werden pro Tag ausgekocht.
Innerhalb des Projektes wurde z. B. ein fleischfreier Genussmittwoch eingeführt, Kalbfleisch fast zur Gänze reduziert und auf regionalen Salat umgestellt.

Durch das Projekt konnte der Anteil regionaler Produkte (= Produkte aus der Steiermark) auf 26,7 % und der österreichische Anteil auf 79,1% gesteigert werden.

Die Zufriedenheit der Essensteilnehmer war mit fast 90% sehr hoch bzw. hoch. Dies ist deshalb sehr wichtig, weil die Zufriedenheit mit dem Essen bei den PatientInnen mit der generellen Zufriedenheit mit dem Krankenhausaufenthalt einhergeht.


Wichtiges aus der Diskussion für NetzwerkerInnen:

  • Durch eine geschickte Speiseplanumgestaltung kann eine Erhöhung des Anteiles an regionalen Produkten erreicht werden ohne dass es zu einer Kostensteigerung kommt. Im Falle des Projektes wurde das nicht regionale (aber auch kostenintensive Kalbfleisch) reduziert. Damit wurde die Kostensteigerung beim Salat abgefangen.
  • Die Einführung eines Veggie-Tages ist ein heikles Thema. Im Klinikum wurde ein fleischfreier Genuss-Mittwoch eingeführt, der zu medienwirksamen Diskussionen führte. Schlussendlich wurde der Veggie-Tag aber gut angenommen (auch aufgrund des Rückhaltes durch die Anstaltsleitung).
  • Durch mediale Berichterstattung kann einiges bewegt werden. So fand sich z.B. ein Gemüsebauer nach einem Bericht in einer Zeitung, der das Klinikum beliefern konnte.
  • Wer den ersten Schritt für mehr regionale Produkte in der Gemeinschaftsverpflegung unternehmen soll, ist oftmals nicht klar. Ist es der Bauer, der seine Produkte einer Großküche anbieten soll „(„Ich kann Produkte in größerer Menge produzieren. Was brauchen Sie – ich baue es für Sie an") oder ist es der Gemeinschaftsverpflegungsbetrieb der aktiv auf einen Bauern zukommen soll („Ich nehme Ihnen die Produkte verbindlich ab, bitte produzieren Sie mir in großer Menge xy").
  • Regionalität hat keine einheitliche Definition. So kann regional heißen, dass die Produkte aus Österreich stammen, aus der Steiermark (so wie es im Projekt definiert ist) oder aus einem Umkreis von 150 km stammen (wie in den steirischen Mindeststandards vorgesehen).

Die sehr interessante Masterarbeit von Frau Walcher, BSc, MSc die im Vorfeld zum Projekt durchgeführt wurde und die Potenzialanalyse in Hinblick auf mehr Regionalität enthält, finden Sie hier

Nach diesem Einblick präsentierte Norbert Grabner, BSc (VAEB) den SGH-Tisch

Serious Games for Health (SGH) steht für: "Ernsthafte Spiele für Gesundheit". Dieses Tool wurde 2012 in den Echt-Schulungsbetrieb übernommen. Bei dem SGH-Tisch handelt es sich im Grunde um einen Glastisch mit einer Kamera und einem Computer, der die Informationen von einem Marker (der auf der Unterseite einer Lebensmittelverpackung klebt oder auf einer Attrappe) abruft und auf den Bildschirm ausgibt. Damit können z. B. Diabetikerschulungen durchgeführt werden oder PatientInnen können direkt ausprobieren welchen Nutzen der Austausch einzelner Lebensmittel für ihre Ernährung hat.
Hintergrund für die Entwicklung war, dass die Klientel der VAEB überwiegend männlich ist und man einen innovativen Zugang zur Beratung suchte. Der Tisch entstand nach dem Motto: Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.
Hardware und Software wurden für die VAEB entwickelt.

Wichtiges aus der Präsentation für NetzwerkerInnen:
  • Lebensmittelverpackungen sind faktisch gratis, die Lebensmittelattrappen können jedoch kostenintensiv sein. Sie sind z. B. im Internet unter www.Lebensmittelattrappe.de  oder https://www.attrappe.de/ bestellbar.
  • Zukünftig wäre es gut, ein solches Programm auch direkt mit dem Bundeslebensmittelschlüssel zu verbinden.
  • Der SGH-Tisch wird auf Gesundheitsmessen und in den Einrichtungen Breitenstein und Josefhof in allen Ernährungsschulungen der VAEB eingesetzt.
Mehr zum SGH-Tisch können Sie auf folgender Website erfahren bzw. sind hier auch Fotos verfügbar: http://www.ge-breitenstein.at/e-health/sgh-tisch

 
Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierte Frau Mag. Steiner Aktivitäten der Fach- und Koordinationsstelle Ernährung und lud zu weiteren Vernetzungstätigkeiten ein. 
Das Kinderkochbuch „Wir kochen" sowie das neue „Ernährungstagebuch" standen zur freien Entnahme zur Verfügung.

Mehr zum Thema finden Sie in der Präsentation der Fach- und Koordinationsstelle Ernährung, welche am Ende dieses Berichtes zum Download bereitsteht.

Wir bedanken uns bei allen TeilnehmerInnen und freuen uns auf ein nächstes Vernetzungstreffen am 06. Dezember 2018.