3. Netzwerktreffen Ernährung für ExpertInnen/Expertenorganisationen

Am 2. Juni  2016 fand das 3. Netzwerktreffen für ExpertInnen bzw. für Organisationen, die sich auf verschiedenste Art und Weise mit dem Thema Essen und Trinken in der Steiermark beschäftigen, in den Räumlichkeiten des Gesundheitsfonds Steiermark statt.
Wie bei dem 2. Netzwerktreffen beschlossen, sollten nicht nur steirische Projekte die Möglichkeit haben sich zu präsentieren, ein Teil der Netzwerkveranstaltung sollte sich auch der Diskussion von aktuellen Themen widmen.  Mit diesem „Auftrag“ im Hintergrund wurde das 3. Netzwerktreffen von der Fach- und Koordinationsstelle Ernährung geplant und durchgeführt.

​Zu Beginn der Netzwerkveranstaltung wurde nun von Frau Mag. Steiner (Gesundheitsfonds Steiermark)  die Novelle des Bundesvergabegesetztes in Hinblick auf den LM-Einkauf kurz  präsentiert. Herr Mag. Dr. Jantschgi, Jurist beim Verfassungsdienst des Amtes der steiermärkischen Landesregierung, stand im Anschluss für Fragen/für eine Diskussion zur Verfügung.
Fazit der Diskussion für NetzwerkerInnen: beim Einkauf von gewissen Lebensmittelgruppen muss bei öffentlichen AuftraggeberInnen das Bestbieterangebotsprinzip (und nicht das Billigstbieterangebotsprinzip) angewandt werden, d. h. aber nicht selbstredend, dass das den Einkauf österreichischer/regionaler Produkte vereinfacht.

Exkurs:

  • Bestbieterangebotsprinzip: Zuschlag in erster Linie  aufgrund von objektivierbaren (sachlich gerechtfertigten) Qualitätskriterien, der Preis ist "nur" eines von mehreren Zuschlagskriterien. Daraus ergibt sich, dass das wirtschaftlich und technisch günstigste Angebot (Angebot des Bestbieters) abgebildet wird.
  • Billigstbieterangebotsprinzip: Zuschlag aufgrund des niedrigsten Preises.
Österreichischen bzw. regionalen Lebensmitteln kann nur im Rahmen von objektivierbaren (sachlich gerechtfertigten) Qualitätskriterien der Zuschlag erteilt werden, die Eigenschaft allein „regional" oder „österreichisch" zu sein reicht dazu nicht. ErnährungsexperInnen müssen sich – um solche Qualitätskriterien festlegen zu können   –  insbesondere auch mit dem Thema Lebensmitteltechnologie auseinandersetzen.
Zum Abschluss der Diskussion wies Herr Dr. Jantschgi darauf hin, dass in absehbarer Zeit ein neues Bundesvergabegesetz zu erwarten ist und man gespannt sein darf, was von der aktuellen Novelle des Gesetzes übernommen wird.
Mehr zum Thema finden Sie in der Präsentation der Fach- und Koordinationsstelle Ernährung, welche am Ende dieses Berichtes zum Download bereitsteht. 

 Im Anschluss an diese interessante Diskussion stellte Frau Direktiorin Ing. Praßl das Projekt „REGIONAL SOZIAL GENIAL – Gesund Leben im Netzwerk der Generationen" (ReSoGe) vor. Zentral für dieses Projekt war – neben der Zusammenarbeit verschiedenster Einrichtungen der Stadt Fehring, dass SchülerInnen der Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft zu Peers ausgebildet wurden um ihre Rolle als Vorbilder  für gesundheitsfördernde Aktivitäten in Kooperation mit weiteren Organisationen aus der Region  zu stärken.
Das Projekt ist nun zwar  bereits abgeschlossen, jedoch wird es in Teilen weitergeführt. So haben SchülerInnen selbstständig 15 neue MultiplikatorInnen (Peers) ausgebildet und ein Gemeinschaftsfeld wurde anlässlich eines Ideenwettbewerbes angelegt auf dem die SchülerInnen versuchen steirisches Popcorn zu produzieren.
Fazit für NetzwerkerInnen: Das Projekt zeigt wie verschiedene Einrichtungen einer Region miteinander gut vernetzt agieren können und dadurch profitieren.  Als Erfolgsfaktor für ein solches Projekt kann die Überzeugung aller Projektbeteiligten vom Projekt genannt werden.
Mehr zum Thema finden Sie in der dementsprechenden Präsentation sowie im Abschlußbericht. Beide Dokumente stehen am Ende dieses Berichtes zum Download bereit.

Nach diesem Projekteinblick erläuterten Herr Dr. Wirnsberger (MedUni Graz) und Frau Eisenberger, MBA (KAGes) die wichtige Thematik der Mangelernährung. Herr Dr. Wirnsberger verdeutlichte dabei, dass das Alter selbst ein hoher Risikofaktor für Mangelernährung sei, denn beispielsweise ist die Fähigkeit der Proteinsynthese und damit die Fähigkeit Muskulatur aufzubauen bzw. zu erhalten verringert. Weiters trägt die vielfache Medikamenteneinnahme oft zur Appetitlosigkeit bei, ein krankheitsbedingter Gewichtsverlust und somit eine Mangelernährungssituation können eintreten.
Im Anschluss an den allgemeinen Teil erläuterte Frau Eisenberger, MBA Daten zum KAGes Nutrition Day 2015. Sie zeigte, dass das Essverhalten in Krankenhaus eng mit der Sterblichkeit korreliert. Weiters wurde das Grazer Mangelernährungs-Screening (GMS) vorgestellt, ein Tool, das mit wenig Aufwand mangelernährte PatientInnen erkennt und automatisch eine Zuweisung an eine Diätologin/einen Diätologen veranlasst. Dieses Tool ist im System der KAGes implementiert, an der flächendeckenden Umsetzung wird aber noch gearbeitet. Weiters wird an der Übernahme der Ernährungstherapie in den Entlassungsbrief gearbeitet.
Fazit für NetzwerkerInnen: Mangelernährung ist ein bedeutendes Thema in der Krankenversorgung/Prävention und kann auch übergewichtige und adipöse Menschen betreffen! Die diesbezügliche awareness (also das Bewusstsein dafür) muss geschärft werden. 
Mehr zum Thema finden Sie in der dementsprechenden Präsentation, welche am Ende dieses Berichtes zum Download bereitsteht. 

Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierte Frau Mag. Steiner die derzeitigen und geplanten Tätigkeiten der Fach- und Koordinationsstelle Ernährung (z. B. den GGG-Kalender für 2017).

Wir danken allen TeilnehmerInnen des Vernetzungstreffens und freuen uns auf ein nächstes Vernetzungstreffen am 1. Dezember 2016. Weitere Informationen zur Veranstaltung entnehmen Sie bitte den Präsentationen im Downloadbereich.